Instagram – der heisse Scheiss für Fotografen?

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Es gibt Artikel, da darf die Überschrift auch etwas plakativer ausfallen, besonders wenn es um ein jugendaffines Thema wie Instagram geht, sonst schauen die jungen Dinger ja gar nicht mehr vom Smartphone auf. Es ist ja nicht so, als hätte ich die Probanden nicht im eigenen Haus sitzen, jedoch kann man die Erkenntnis aus dem privaten Testschlachtfeld durchaus ins Professionelle mitnehmen. Nur braucht es natürlich etwas mehr Content als: „ich zocke gerade mit Kumpels auf der Playsie“. Was aber für jemanden, der seine Brötchen mit der Erstellung von Bildern verdient, kein Problem sein sollte.

Wer meine Aktivitäten in den sozialen Medien etwas beachtet, wird bemerkt haben, dass ich die Dichte meiner Instagram-Posts enorm erhöht habe. Vor einem Jahr habe ich mich damit nur befasst, um en technologischen Anschluss zu behalten, eben nicht von der Kinderzimmerbesatzung abgehängt zu werden.  Dann ist in mir der Ehrgeiz erwacht und als ich dann feststellte, dass man nicht nur quadratische Bilder veröffentlichen kann (ich habe meine Hasselblad nicht ohne Grund längst verkauft), sind Ehrgeiz und Experimentierfreude erwacht. Zudem ich ach einen Weg gefunden habe, direkt vom Rechner aus zu posten, was die Beschränkung aufs Smartphone aufhob und den Weg freimachte, ohne Umwege auch höherwertige Fotos aus meinem Archiv zu veröffentlichen. Da die Beiträge auch direkt zu Facebook und Twitter weitergeleitet werden, erlahmte gleichzeitig mein Interesse, dort auch nich aktiv zu sein, zudem ich eh das Gefühl habe, dass FB so langsam aus der Zeit fällt und mir dort auch zu viel unangenehme (rechte) Politik transportiert wird.

Stellt sich dennoch die Frage, warum sollte eine Fotograf auf Instagram seine Bilder zeigen? Ich versuche ein paar Antworten zu geben:

  1. Der Bilderklau ist verhältnismäßig kompliziert und verlässt das Ökosystem Smartphone nicht wirklich, die Sorge vor unberechtigten Abdrucken ist eher zu vernachlässigen. Bilder werden angeschaut und suchen sich via Hashtag sogar ihr interessiertes Publikum. Das ist zwar vergleichbar mit Pinterest, aber eben nicht ganz, was jeder bestätigen kann, der mal versucht hat, bei Instagram ein Bild herunterzuladen.

Instagram Startbildschirm2. Foto und der Name des Urhebers, zumindest des Publishers bleiben zusammen. Da das in meinem Fall ja der Selbe ist, sehr gut. Davon träumt man in anderen Medien, sei es Print oder irgendein anderes Online-Medium.

3. Mit wenigen Klicks kommt der Traffic auf die eigene Webseite, wer sich interessiert, muss danach nun wirklich nicht lange suchen.

4. Hashtags bringen die Bilder genau in die interessierte Zielgruppe, wenn man diese ernsthaft benutzt und nicht irgendwelche, gerade vermeintlich aktuelle Hashtags nutzt. Denn die Bilder werden im entsprechenden Stream nicht beachtet, eben, weil die Hashtags falsch sind. Da ist die Community schon recht empfindlich.

5. Mit regelmäßigen, qualitativ guten Fotos bekommt man Beachtung in der Zielgruppe und die Möglichkeit, seinen Followerkreis organisch zu vergrößern, und unter diesen sind sicherlich im Lauf der Zeit auch Bestandskunden zu finden sind, was zu einer regelmäßigen Wahrnehmung führt. Ohne  zu nerven, da ja freiwillig rezipiert wird. Man muss aber dran bleiben, denn genau so schnell wie man seinen Haken bei „folgen“ setzt, wird man auch wieder abbestellt…

6. Durch thematisch stringente Posts kann man seine fachliche Kompetenz in einem Fachgebiet kommunizieren. Ich bin jedoch der Meinung, dass man auch immer mal wieder etwas persönliches einbringen sollte, um eben selber als Marke nicht vergessen zu werden und klarzumachen, dass es eben die eigenen Fotos sind und man nicht nur thematisch passende Bilder unbekannter Provenienz postet. Expertise, aber mit persönlicher Note. Hier bieten sich natürlich auch immer mal wieder „Making-Of“-Bilder an, die jedoch mit Vorsicht zu veröffentlichen sind. Nicht, weil man seine speziellen Techniken verraten würde. Die sind alle bekannt und ich glaube kaum, dass irgendeiner der Kollegen die Fotografie neu erfindet oder eine neue Ära der Aufnahmetechnik beschreitet, die er nicht preisgeben will, um seinen technologischen Vorsprung zu behalten. Das wäre eher ein lächerlicher Grund. Viel realer sind beleidgte Kunden, die ja das Ergebnis der Fotoproduktion in ihren Medien veröffentlichen wollen. Und nicht im Fotostream eines Fotografen vorab an den Mitbewerber kommunizieren möchten, was sie gerade produzieren lassen. Daher sollte man „Making-Ofs“ immer deutlich nach der Veröffentlichung des eigentlichen Bildes zeigen. Sollte klar sein, aber im wie schnell hat man in der Euphorie des gelungenen Shootings etwas „verpetzt“.

7. Der wichtigste Anlass, regelmäßig bei Instagram Fotos zu veröffentlichen ist aber in meinen Augen ein ganz anderer, profaner, aber schöner Grund. Man bekommt Lob. Spontan, unverstellt, in klaren Worten. Natürlich machen wir die Bilder nicht nur, weil es nunmal unser Beruf ist. Sondern, weil es uns Spaß mach, wir die Fotografie lieben. Es ist unser Medium. Und das wollen wir zeigen, in Ausstellungen, Büchern, auf unseren Webseiten und eben den Publikationen der Kunden. Aber welcher Kunde ruft nach der Abgaben der Dateien an, bedankt sich, schreibt eine mail, wie zufrieden er mit dem Ergebnis ist? Kaum einer, denn dazu fehlt oft die Zeit und manchmal leider einfach der Stil.

Bei Instagram aber sehe ich im Sperrbildschirm kurz nach dem Posten eine Fotos die „Likes“ herunterrattern, und das macht einfach Spaß.

Wirklich, es kann manchmal so simpel sein, ein Fotografenherz zu erfreuen.

Ergänzung:
Auf t3n.de hat Martin Weigert sich auch so seine Gedanken zu Instagram gemacht, er erweitert meine Ausführung um weitere Aspekte.

One Response

  1. Markus sagt:

    Danke für den Artikel!!